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Erich Switak, Oberschätzmeister im Dorotheum
Interview

3 FRAGEN AN ... ERICH SWITAK

- von Redaktion

52 Jahre im Dorotheum und kein bisschen dienstmüde! Wie das geht? Erfahre es in unserem Experten-Interview.

„Das Dorotheum ist mein größtes Turnier“, sagt Erich Switak. Mit 76 Jahren – und dieses Alter sieht man ihm nicht im Geringsten an – ist er nach wie vor im Einsatz für unsere Pfandabteilung. Im Gespräch erzählt der langgediente Oberschätzmeister, leidenschaftliche Uhren-Liebhaber und nunmehrige Konsulent über seinen Werdegang und sein Wirken im Dorotheum im Laufe der Zeit. Und er verrät, wie ihn Wissbegier, die Arbeit mit dem Nachwuchs und der Golfsport jung halten. So ist dieses Interview gewissermaßen auch eine Lektion im Jungbleiben.

Redaktion

Herr Switak, an Ihrem Handgelenk sehe ich heute eine Cartier Santos. Wenn man so lange als Experte, in Ihrem Fall als Oberschätzmeister, tätig war und unzählige Schmuckstücke in der Hand gehalten hat: Gibt es eine persönliche Lieblingsmarke?

Erich Switak

Eigentlich nicht, denn es ist die Vielfältigkeit an sich, die mich begeistert – nicht nur bei Schmuck und Uhren. Es ist auch die Mannigfaltigkeit in einem Haus wie dem Dorotheum, die mir über all die Jahrzehnte besonders gefallen und mich angeregt hat. Natürlich, eine Rolex-Uhr ist etwas Besonderes und wird auch entsprechend geschickt durch das Spiel mit dem Limitierten und Elitären vermarktet – nicht jeder kann sie kaufen, nicht jeder darf sie verkaufen. Eine sichere Wertanlage für Krisenzeiten ist die Rolex auf jeden Fall. Die nimmt sogar der Tankwart! (lacht)

Redaktion

Sie arbeiten seit 52 Jahren für das Dorotheum, sind nach wie vor als Konsulent und Ausbildner ein gefragter Ansprechpartner, auch für unseren Schätzmeister-Nachwuchs. Ist es nie langweilig geworden?

Erich Switak

Nein, langweilig war es nie. Schon allein wegen der Fülle und der bereits erwähnten Vielfalt der Stücke, die einem im Laufe der Zeit zur Begutachtung vorgelegt werden. Das ist mit der Arbeit bei einem Juwelier überhaupt nicht vergleichbar. Ich bin in den Anfangsjahren viel ins Naturhistorische Museum gegangen, weil man dort Edelsteinkurse besuchen konnte. Für mich war es immer eine spannende Herausforderung, mich weiterzubilden. Als Schätzmeister wollte ich genauso wie bei meinem Lieblingshobby, dem Golfen, stets mein „Handicap“ verbessern. In Zeiten, wo es noch keine PCs im Arbeitsalltag, geschweige denn Google gab, war das Recherchieren nicht immer einfach. Ich war viel auf Uhrenbörsen unterwegs, studierte Auktionskataloge und pflegte Kontakte zu Sammlern von Omega, Rolex, Breitling & Co. Gott sei Dank hatte meine Ehefrau viel Verständnis für diese Leidenschaft. Die Neugier und Wissbegierde haben mich angetrieben, man lernt ja nie aus. Ich weiß, dass ich nichts weiß war mein Leitspruch. Dieser Lernwille gefällt mir auch bei den jungen Aspiranten gut!

Redaktion

Stets korrekt, stets adrett – so kennt man Sie und so schätzt man Sie. Gab es je eine Situation, die Sie „aus der Fassung“ gebracht hat? Welche persönlichen Highlights haben Sie im Berufsleben erlebt?

Erich Switak

Naja, einmal bin ich schon ins Strudeln geraten … Das war bei einem Interview für den ORF. Als ich die Funktionsweise einer so genannten erotischen Taschenuhr im Radio in Worte fassen und sie genau beschreiben sollte, habe ich mich, wie man so schön sagt, in einen Wirbel geredet. Das kam lustig rüber! Ein wenig stolz bin ich, die Sonderauktionen für Taschen- und Armbanduhren aus der Taufe gehoben zu haben. Bis dahin gab es nur gemischte Auktionen für Schmuck, Uhren und Silber.  Es war zu einer Zeit, als ich für den Auktionsbereich im Dorotheum tätig war und der Trend zu mechanischen Armbanduhren sowie zu Taschenuhren mit Komplikationen, wie zum Beispiel Schlagwerke und Stopper, aufkam. Diese Auktionen waren von Start weg ein Erfolg – wir hatten da Uhren mit 100.000 Schilling Rufpreis. Sie wurden mit der Zeit immer noch beliebter und sind heute aus dem Auktionsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Insofern war die Einführung dieser Spezialauktionen eine Innovation, wie man heute sagen würde.

Erich Switak, Jahrgang 1943, absolvierte nach der Hauptschule eine Lehre als Uhrgehäuseerzeuger- und Goldschmied. Nach der Meisterprüfung trat er 1967 den Dienst im Dorotheum an, und zwar als „Pretiosenschätzmeisteraspirant“. Nach der Ausbildung zum Schätzmeister für Pretiosen (unter Alfred Rohrwasser) und anschließend für Effekten (technische Gegenstände wie Fotoapparate, Schreibmaschinen etc.) folgten Jahre im Schätztechnischen Dienst und in unterschiedlichen Dorotheum-Filialen; 1979 Betriebsrat; 1982 Pretiosen-Versteigerungsabteilung, Auktionator; 1983 Ernennung zum Oberschätzmeister, später auch Revisionsschätzmeister; 1993 Einführung der ersten Uhren-Sonderauktion.

Die Fragen stellte Bettina Krankl.


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