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Das E-Fahrrad boomt ungebrochen
Experten-Wissen

DAS FAHRRAD VON HEUTE – OHNE ELEKTRONIK FÄHRT DA GAR NICHTS!

- von Christian Waldhäusl

Nicht nur im Antrieb hält die Elektronik bei modernen Fahrrädern immer mehr Einzug. Wir werfen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen der Fahrrad-Technologie.

DAS E-BIKE IST ANGEKOMMEN

Es war vor einigen Jahren, an einem heißen Sommertag. Während einer längeren Radtour war ich, kurz vor meinem Zuhause, am Fuße des letzten steilen Anstiegs angekommen. Vor dem Anstieg traf ich an einer Kreuzung auf einen älteren Herrn, ebenfalls auf seinem Fahrrad, in langen Hosen. Ich, etwa 30 Meter dahinter, dachte mir: „Da kann ich beim Anstieg wohl schnell vorbeifahren.“ Motiviert durch die Vorstellung, nach dem letzten Hügel bald einen kühlen Radler auf meiner Terrasse genießen zu können, trat ich mit meinen letzten Reserven in die Pedale.


Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass der Abstand zu dem vor mir fahrenden älteren Herrn auf dem Fahrrad nicht geringer, sondern – ganz im Gegenteil – immer größer wurde. Der deutliche Abstand an Lebensjahren hatte sich in kürzester Zeit auch in Metern auf dem Asphalt wiedergespiegelt – allerdings nicht in der von mir gedachten Reihenfolge ... Was ich jedoch gar nicht fassen konnte, war, dass der ältere Herr vor mir bei diesem Schauspiel ganz gemütlich im Sattel saß und sich genüsslich die Gegend ansah, während ich, mit letzter Kraft am Fahrrad stehend, den Berg bezwingen musste.


Komplett perplex fuhr ich nach dem Anstieg wie ein Verrückter dem Schrittmacher hinterher, um dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Tja, wie sich herausstellte, war dies meine erste – wohlgemerkt einprägsame – Erfahrung mit einem E-Bike.


Damals ein absoluter Exot unter den Fahrrädern, konnte sich das E-Bike in den folgenden Jahren deutlich etablieren. Mittlerweile ist es am Massenmarkt angekommen und bedient Klischees wie Fortbewegungsmittel alleinig für Ältere oder weniger Sportliche längst nicht mehr.


Im Folgenden erhältst du einen Überblick über die unterschiedlichen Antriebsarten des E-Bikes und auch über weitere Elektronik-Bauteile, die mittlerweile Einzug in die Ausstattung moderner Fahrräder gehalten haben und die wir bei der Fahrrad Belehnung als Bewertungskriterien berücksichtigen.
 

E-BIKE: DER ÜBERBEGRIFF

Auch wenn sich die Bezeichnung E-Bike als Überbegriff im Sprachgebrauch etabliert hat, musst du neben dem E-Bike die Varianten des Pedelecs und des S-Pedelec unterscheiden. Je nach Einsatzbereich haben Modelle und Bauarten Vor- und Nachteile.

Generell gilt für Fahrräder mit Elektro-Unterstützung eine maximale Antriebsleistung von 600 Watt sowie eine maximale Bauartgeschwindigkeit von 25 km/h. Fahrzeuge mit höheren Werten gelten als Krafträder und verlangen, wie Mopeds, laut Straßenverkehrsordnung eine Zulassung sowie Begleiterscheinungen wie eine Lenkerberechtigung und das Tragen eines Helms.

  • E-Bike: 

Der E-Antrieb beim E-Bike ist nicht von einer Tretunterstützung abhängig. Die Kraftübertragung wird per Hand ausgelöst.

  • Pedelec:

Bei Pedal Electric Cycles unterstützt der E-Motor die mechanische Tretbewegung. Ein Pedelec kannst du auch ohne elektronische Unterstützung fahren. Die meisten in Österreich als E-Bike beschriebenen Fahrzeuge sind tatsächlich den Pedelecs zuzuordnen und müssen nicht zugelassen werden.

  • S-Pedelec:

Hier erfolgt die elektronische Unterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Danach verabschiedet sich der Motor in der Regel und schaltet ab. Auch hier kannst du das Fahrrad rein mechanisch bewegen.
 

DIE MOTOREN und AKKUs

Motoren

Bei Fahrrädern mit Elektro-Antrieb kommen entweder Front-, Mittel- oder Heckmotoren zum Einsatz. Oft werden bei klassischen Fahrrädern E-Motoren als Nachrüstung vorne montiert. So kannst du den Motor relativ kostengünstig an nahezu allen Fahrrädern nachträglich justieren. Manche Modelle sind aber durch solche Nachrüstungen deutlich frontlastig.
 

Fix verbaute Mittelmotoren nahe der Pedalerie sind aufwendiger, arbeiten meist effizienter, bieten dir eine bessere Gewichtsverteilung und gelten auch als zuverlässiger.

Wenn du zu den sportlichen Fahrern zählst (z. B. Downhill), empfehle ich dir ein Modell mit Heckmotor, weil sehr effizient und trotz Hecklastigkeit eine gute Bodenhaftung gegeben ist.
 

Wie bei allen gängigen Motorisierungen tummeln sich auch immer mehr Tuner in der E-Bike-Szene. So kann durch den Anbau von zusätzlichen Komponenten eine höhere Geschwindigkeit erreicht werden. Empfehlen möchte ich dir dies jedoch nicht, da Bikes und deren Teile nicht dauerhaft für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt sind.
 

Akkus

Baulich unterscheidet man zwischen abnehmbaren (am Rahmen oder Gepäckträger) und verbauten Akkus. Bei Letzteren steht der Vorteil des sicherlich anschaulicheren Designs dem Nachteil der geringeren Handlichkeit beim Laden gegenüber.
 

Akkus (meist Lithium-Ionen) haben in der Regel eine Kapazität von bis zu 600 Wh (Wattstunden). Abhängig vom Akku, aber auch von Faktoren wie Motor, Einstellung der elektronischen Unterstützung, Gewicht, Reifen und externen Faktoren wie Streckenprofil und Witterungsbedingungen, kannst du Stecken von 30 bis 100 Kilometern mit einer Ladung zurücklegen. Hersteller-Angaben werden meist nicht ganz erreicht. Für gemütliche Nachmittagsfahrten wird eine Akku-Ladung aber im Normalfall ausreichen. Bei längeren Tagestouren solltest du schon ein notwendiges Wiederaufladen im Hinterkopf behalten, wenn du auch elektrisch unterstützt nach Hause fahren willst.
 

Was die Akku-Technologie betrifft, kann man mit einer raschen Weiterentwicklung rechnen. Die weltweit wichtigsten Hersteller haben sich auf neue Akkuzellen-Bauweisen geeinigt, welche sowohl eine etwa doppelte Lebensdauer, als auch eine deutlich gesteigerte Kapazität gewährleisten sollen.
 

Systeme mit Rückgewinnung der Bremsenergie helfen dir, die Reichweite länger zu erhalten. Akkus erhalten Ihre Leistung je nach Hersteller bei bis zu 1.000 Ladezyklen, wobei ein Zyklus nicht die Anzahl einzelner Teilladungen, sondern jene der kompletten Kapazitätsladung eines Akkus beschreibt. Mit einer langsamen, aber sukzessiven Abnahme der Speicherkapazität musst du aber generell rechnen.
 

WEITERE ELEKTRONIK-KOMPONENTEN

Schaltung

Derzeit sind fast alle Fahrräder mit mechanischen Schaltungen (Bowdenzügen) ausgestattet. Jedoch befinden sich elektronische Schaltungen (für Naben- beziehungsweise auch Kettenschaltungen) im Vormarsch. Hierbei schaltest du über die Bedienung am Lenker mittels batteriebetriebener Servomotoren. Solche Schaltungen sind zwar derzeit noch relativ teuer, lösen aber das Problem der Abnutzung.
 

Darüber hinaus gibt es seit geraumer Zeit innovative Automatik-Schaltungen. Das System schaltet selbstständig und lernt von deinen Tritt- beziehungsweise Schaltfrequenzen in diversen Situationen (bergauf, bergab).
 

Displays

Bei E-Bike- beziehungsweise Pedelec-Fahrern sind Displays mit diversen Funktionen immer beliebter. Umfangreiche Funktionen wie Tacho, Navigation, Fitnessanalyse, Anbindung für Smartphone, Bluetooth, Wifi, Fahrmodus, Streckenanalysen etc. versorgen unterwegs mit wertvollen Informationen.

Sicherheit

Auch was den Schutz vor Diebstahl betrifft, bleibt die Entwicklung nicht stehen. So gibt es bereits mehrere Konzepte und Anbieter von elektronischen Fahrradschlössern. Die Funktionsweise basiert auf dem NFC-Signal oder Bluetooth (inklusive App). In beiden Fällen musst du ein Smartphone verbinden. Beachte dabei, dass das Schloss auch die wichtige Alarmfunktion – am besten inklusive Anzeige auf deinem Smartphone – beinhaltet. Zusätzlich gibt es Konzepte, die dir ermöglichen, dein Fahrrad nach einem Diebstahl mittels GPS nachverfolgen zu können.

Trotz der Vorteile diverser elektronischer Neuentwicklungen möchte ich dir aber trotzdem eine zusätzliche mechanische Sperre empfehlen.

ENTWICKLUNGEN – Neuheiten

Es werden laufend neue Konzepte von E-Bikes beziehungsweise Pedelecs auf uns zukommen und somit die weitere Entwicklung vorantreiben. Im Folgenden findest du zwei kürzlich vorgestellte Neuentwicklungen als Beispiele.
 

COWBOY

Das oft als „iPhone unter den E-Bikes“ beschriebene Fahrrad aus Belgien ist verhältnismäßig günstig (unter 2000 Euro). Das Besondere am Cowboy ist, dass keine Schaltung (Gummi-Riemen anstelle einer Kette) vorhanden ist und dich der Antrieb automatisch unterstützt, wenn Leistung verlangt wird. Mittels eigener App kannst du diverse Funktionen steuern. So hast du die Möglichkeit, das im Design integrierte LED-Licht zu bedienen und auch als Sicherheitsfeature den Motor zu sperren. Zusätzlich kannst du mit der App unter anderem dank integrierter SIM-Karte dein Fahrrad über GPS orten. Eine im Rahmen integrierte Anzeige informiert dich über den aktuellen Akku-Ladezustand (bis zu 50 Kilometer Reichweite).
 


Nua Electrica

Das Nua Electrica Pedelec wurde in Barcelona entwickelt und wird um etwa 4000 Euro angeboten. Das Bike mit Titan-Rahmen nutzt einen Zahnriemen und vereint im Heckrad sowohl Steuerung als auch Akku und Motor. Zwar ist die Reichweite ziemlich gering (30 Kilometer) - das Besondere ist jedoch, dass du im Bike+ Modus aufgrund der Selbstladung den Akku nie laden musst. Der E-Antrieb unterstützt dich in diesem Modus beim An- und Bergauffahren. Über eine Bluetooth-Verbindung ist es dir möglich, per App diverse Einstellungen vorzunehmen.

Top-Tipp:

E-Bikes clever überwintern kann man mit dem Service Fahrrad Pfand: Urbane Bike-BesitzerInnen nutzen den Zusatzvorteil der Fahrrad-Garagierung, um Fahrräder und E-Bikes vor Witterung und Diebstahl geschützt in der Dorotheum Filiale Wien-Favoriten zu lagern.
 

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Kommentare anderer Nutzer

11.06.2019 | Christian Tschuk

Ich finde die Weiterentwicklung einer schon vor Jahrzehnten, bei Fahrrädern, angewandten Antriebstechnik grandios!! Seinerzeit für körperlich beeinträchtige Menschen von irrsinnigem Vorteil, heutzutage noch oftmals von eingefleischten Radfahrern belächelt hat es als modernes Sportgerät absolut seine Berechtigung erlangt und verdient! Sportliche Grüße aus dem E-Bike Tourismusland Kärnten! Noch ein Tipp an die Politik. Österreich ist, wie ich glaube noch eines der wenigen Länder, für die es noch keine rechtliche Regelung für die Benutzung von Forststraßen durch Mountainbike Sportlerinnen und Sportler gibt!

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