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Imre Theresa - Gründerin von markta
Interview

3 FRAGEN AN ... THERESA IMRE VON MARKTA

Die Österreicherin des Jahres im Interview: Warum nachhaltige Werte, „Dinge des Guten“ und ein Lieblingsring Teil ihres Erfolgs sind, darüber plauderten wir mit Theresa Imre, Gründerin und Geschäftsführerin von markta.

Redaktion

Theresa, zunächst herzlichen Glückwunsch zu deiner jüngsten Auszeichnung, du hast ja etliche, als „Österreicherin des Jahres 2022" in der Kategorie Start-ups! Dein Geschäft markta.at, Österreichs erster digitaler Bauernmarkt, basiert auf der hohen Wertschätzung für regionale Lebensmittel. Worin besteht die Kunst, deine Werte – also wer, wo, wie produziert – im täglichen digitalen Business am Leben zu erhalten?

Theresa Imre

Dankeschön. Für mich persönlich, und das betrifft das gesamte Unternehmen markta, allem voran die Mitarbeitenden, ist es eine gute Mischung aus Leidenschaft und Sinnhaftigkeit. Diese Herangehensweise, gepaart mit ein bisserl Ausdauer, die natürlich ebenso notwendig ist, lassen uns von diesen Werten einfach nicht abweichen.

Was unserer Arbeit zugrunde liegt, ist das Verständnis davon, was sinnhaft ist im neuen Lebensmittelsystem. In dieser Hinsicht bietet markta ein Farm-to-Fork Direktvermarktungssystem, mit dem wir die Ware möglichst direkt, quasi vom Feld auf den Tisch, zu den Kund:innen bringen wollen. Das hört sich zunächst recht technisch an, aber es bedeutet so viel mehr. Es geht um die Sinnhaftigkeit dahinter, nämlich dadurch die kleinbäuerlichen Betriebe zu erhalten. In Österreich haben wir ja die Situation, dass pro Tag im Durchschnitt sieben Bauernhöfe zusperren müssen, weil sie einfach im bestehenden System nicht überleben können. Da ist es für viele Menschen auch ganz einfach eine Art Mission geworden, andere Strukturen aufzubauen, die kein Abweichen von diesen Werten zulassen. Ohne Leidenschaft ließe sich sicher nicht so kompromisslos an gewisse Dinge herangehen gehen. Je mehr man seinen Werten treu bleibt, desto mehr verstehen das die Menschen, tragen die Idee nach außen, wird zum Selbstläufer.

Wir bei markta stehen für gute, neue Lösungen, wir sind nicht gegen irgendetwas Altes. Wir wollen eine Art Plattform sein, um Dinge zu ermöglichen, Dinge des Guten. Sei es jetzt der Bauer oder die Bäuerin, denen wir ermöglichen, ihre Produkte besser, zu faireren Konditionen zu verkaufen, oder die ökologische Landwirtschaft – und gleichzeitig den Kund:innen zu ermöglichen, beim Einkauf einen Beitrag dafür zu leisten und sich selbst gesünder zu ernähren.

Produkte nachhaltig konsumieren und neu wirtschaften, dabei dreht sich alles immer ums Essen. Und beim Essen kommen bekanntlich d‘Leut z‘samm, es ist so nahbar wie nur möglich. Mit dem Essen nimmt man das auf, was man zum Überleben benötigt. Genau da anzusetzen, ist für mich einer dieser Steine, der ins Rollen kommt – wenn es bei markta künftig sogar über Lebensmittel hinaus gehen wird.

Redaktion

Der Erfolg gibt dir recht! Wertschätzung und das Schätzen von (auch alten) Werten ist wohl etwas, das dein junges Unternehmen mit unserem Traditionshaus verbindet. Stimmt es, dass du ein geerbtes Schmuckstück als Glücksbringer hast?

Theresa Imre

Genaugenommen ist es kein Glücksbringer in dem Sinne, dass einem durch ein gewisses Objekt das Glück sozusagen ins Haus flattert. Aber ich habe eben diesen einen Ring. Er ist ein Erbstück, das bereits von mehreren Generationen an Frauen in meiner Familie getragen wurde. Und irgendwie finde ich es schön, solche Symbole zu haben, wo man sich immer wieder auch an gewisse Situationen, Erlebnisse und Menschen zurückerinnert, aber eben nicht nur an Vergangenes.

Es ist ein goldener Art-déco-Ring mit einem hochwertigen grauen Stein, dessen genaue Bezeichnung ich mir leider nicht gemerkt habe. Dieser Ring hilft mir persönlich, mich zu erden, mich auf meine Grundwerte zu besinnen. Damit fühl‘ ich mich einfach sehr verbunden mit meinen inneren Werten.

In unserer sehr schnelllebigen Zeit ist man ja permanent abgelenkt, durch Social Media und Handy. Eigentlich ist man ständig in Versuchung, sich durch die vielen Dinge rundherum vom eigentlich Wichtigen zu entfernen. Und ich finde, dass solche Objekte manchmal einfach schön sind, um auf das Wesentliche zu schauen und sich in gewisser Weise mit den inneren Überzeugungen zu verbinden. Manchmal hilft es einfach, so einen Gegenstand bei sich zu haben.

Redaktion

Würdest du dich, um einen kurzfristigen Engpass zu überbrücken, für ein paar Wochen von dem Ring trennen und ihn im Pfandhaus vorübergehend gegen Geld eintauschen?

Theresa Imre

Diesen speziellen Ring würde ich tatsächlich nicht eintauschen, denn damit bin ich einfach täglich so stark auf familiärer Ebene verbunden, das ist schon fast so etwas, wo man sagt „Damit geh ich sterben!“ (lacht, Anm. d. Red.) Aber mit etwas weniger Emotionalem wäre das auf jeden Fall denkbar! Etwa ein Smartphone oder ein anderes elektronisches Gerät, das gerade nicht benötigt wird. Überhaupt das ganze Thema, was wir brauchen und nicht brauchen, sollte so viel breiter gedacht werden.

Pfand finde ich hoch spannend, ich sehe darin einen ähnlichen Nutzen wie in der Sharing Economy. Man kann Pfand hinsichtlich sozialer Verantwortung ganz neu denken. Damit schafft man den Kreislauf, dass die Dinge, die der eine nicht mehr benötigt, von jemand anderem gut gebraucht werden können. Ist doch total schön, wertvollen Dingen somit noch mehr Wert zu geben. Ich bin der Meinung, dass Pfandleihe sehr zukunftsträchtig ist und eine Fülle spannender Ideen in sich birgt!


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