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Porsche aus dem Jahr 1898: Egger-Lohner C.2
Experten-Wissen

PORSCHE TAYCAN MEETS FERDINAND: E-GETRIEBEN ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT!?

- von Christian Waldhäusl

Die Elektro-Offensive der Automobil-Hersteller ist unübersehbar. Neben unzähligen Studien landen bereits immer mehr E-Modelle auf den offiziellen Preislisten. Wachsende Verkaufszahlen von E-Autos spiegeln sich auch in zunehmenden Belehnungsanfragen bei Dorotheum Pfand wider. Dabei liegen die Ursprünge des Elektrofahrzeugs bereits weit zurück.

Heute hat es Tesla vorgemacht und eine gesamte Industrie muss nun aus unterschiedlichen Gründen folgen. Praktisch kein Serienhersteller kann es sich leisten, den elektrischen Antrieb für die zukünftige Modellpolitik gänzlich zu ignorieren.

Auch wenn der Elektroantrieb bei Fahrzeugen und seine Folgeerscheinungen zwar einige, aber zweifelsohne nicht nur Vorteile mit sich bringt, so ist eine Abkehr davon aufgrund bestimmter Entwicklungen und Dynamiken in Gesellschaft und Politik und folglich auch in Forschung und Wirtschaft kaum mehr vorstellbar.
 

Viele Entwickler und Fahrzeughersteller sind in den letzten Jahren neu entstanden. Aber auch bestehende Branchengrößen und somit auch deren Zulieferer sind auf den Zug aufgesprungen. Eine Verspätung so mancher etablierter Fahrzeugproduzenten hat unterschiedliche Gründe. Oft waren fehlende Überzeugung und der Respekt vor hohen Entwicklungskosten die Ursachen. Ein Aspekt, wie der Umgang bei gewissen Umweltfragen, hatte jedoch beispielsweise bei einem nicht unbedeutenden Konzern einen Bumerang-Effekt ausgelöst und einen nun doch sehr radikalen Schritt zumindest enorm beschleunigt.
 

Auch wenn nicht alle Zweifel ausgeräumt sind, so haben mittlerweile viele andere europäische Hersteller den elektrischen Weg eingeschlagen. Teilweise wird die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten deutlich reduziert, wenn nicht gänzlich eingestellt, und gleichzeitig der Elektroantrieb mit seinem Speichermedium, der Batterie, offensiv weiterentwickelt. Dieser radikale Schwenk bringt aber auch gewisse Risiken mit sich. Noch ist der Elektroantrieb nicht am breiten Massenmarkt angekommen. Bekannte Aspekte, wie hoher Kaufpreis, limitierte Reichweite, lange Ladedauer und geringe Verfügbarkeit bei Ladestationen sind aktuelle nutzerbezogene Hauptkritikpunkte.

Diese sowie gewichtige Gegenargumente betreffend Produktion werden aber im Laufe der Zeit an Gewicht verlieren. Preise und Ladezeitraum werden sinken – Reichweite und Dichte des Versorgungsnetzes werden zunehmen. Geht es nach den Produzenten, werden auch negative Auswirkungen beim Abbau von notwendigen Rohstoffen in der Zukunft reduziert (höherer Industrialisierungsgrad anstelle von teilweiser Arbeitskraft Minderjähriger und Reduzierung umweltschädlicher Einflüsse beim Abbau). Ebenso wird der alternativ erzeugte Anteil der notwendigen Energie zur Herstellung und Ladung der Batterien laufend ansteigen. Auch beim Recycling der verbauten Akkus werden positive Entwicklungen die Umweltbelastung mindern. Jedenfalls wird der Faktor Zeit auf allen Ebenen eine entscheidende Rolle für die Durchsetzung des E-Antriebs spielen.
 

Betrachtet man die Brückentechnologie des Hybridantriebs (Elektromotor und Verbrennungsmotor in unterschiedlichen Kombinationen – Mildhybrid, Vollhybrid, Plug-In Hybrid, Range Extender), so ist der Elektroantrieb mittels Batterie als Speicher ja bereits am Markt etabliert. Toyota als langjähriger weltgrößter Hersteller hatte hier früh Weitblick bewiesen und in dieser Sparte die Nase weit vorne. Während Toyota in den letzten Jahren zusätzlich mehr auf die Weiterentwicklung des elektrischen Antriebs mit Wasserstoff gesetzt hat, wird nun doch auch hier – wenn auch vergleichsweise relativ spät – in Richtung reine Elektroautos mit Batterieantrieb gedacht.
 

Neben zahlreichen kleinen Entwicklern und Kleinserienherstellern haben andere traditionelle Marken wie BMW, VW, Mitsubishi, Renault, Nissan, Hyundai, Volvo, Mercedes, Honda, Mazda, Peugeot, Citroen, Mini, Jaguar, Kia, Opel, Seat, Skoda etc., aber auch hierzulande weniger bekannte Anbieter aus China, Korea etc. batteriebetriebene Fahrzeuge in der Entwicklung und im Angebot berücksichtigt. Nun folgt auch beim mitunter weltgrößten Hersteller Volkswagen ebenfalls ein großer Wandel. VW hat zwar bereits bestehende Modelle in einer Elektrovariante im Angebot, in Kürze wird es neu entwickelte Modelle geben – exklusiv mit Elektroantrieb (ID Reihe). VW hat große Ziele, geht aber auch ein gewisses Risiko ein, zumal man – wie auch andere Hersteller – aus derzeitiger Sicht dem Verbrennungsmotor laut eigenen Angaben mittel- bis langfristig den Rücken kehren wird.

Für viel Aufsehen sorgt nun auch das neue, rein elektrische Modell Taycan der Serien-Sportwagenschmiede Porsche. Dass Porsche diesen Schritt wagt, zeugt doch von Mut. Steht doch bei einem Sportwagen-Hersteller ein Verbrennungsmotor naturgegeben noch deutlicher im Fokus. Gerade bei Porsche gilt das gesamte Konzept (typische Formensprache mit Boxermotor im Heck) in dieser Art und Weise als Alleinstellungsmerkmal.
 

Anders betrachtet ist dieser Schritt aber vielleicht sogar schlüssig. Denn war es kein geringerer als Ferdinand Porsche selbst, der sein erstes konstruiertes Fahrzeug – den Egger-Lohner C.2 – mit Elektroantrieb im Jahr 1898 konzipierte. Im Folgejahr gewann Porsche damit sogar eine Wettfahrt im Vergleich mit zahlreichen anderen Elektrofahrzeugen in Deutschland überlegen. Später entwickelte Porsche auch Hybridmodelle, ehe er sich dann den reinen Verbrennungsmotoren zuwandte.

Die überhaupt ersten bekannten "Schritte" eines elektrisch betriebenen Fahrzeuges (eine Art Karren) gehen sogar noch auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Der Schotte Robert Anderson entwickelte in den 30er Jahren ein solches Fortbewegungsmittel. Gegen Ende des gleichen Jahrhunderts folgten (oft auf Basis von Pferdekutschen) zahlreiche Prototypen und Entwicklungen. Das erste offizielle Elektrofahrzeug wurde von Gustave Trouvé 1881 als dreirädriges Gefährt in Paris präsentiert. 1882 wurde von Werner Siemens nahe Berlin ein elektrifizierter Kutschenwagen mit Oberleitung erfolgreich getestet. Ob das Fahrzeug von Thomas Parker 1884 in England oder der Elektrowagen von Andreas Flocken in Deutschland (1888) als erster elektrisch betriebener Personenkraftwagen zu sehen ist, bleibt umstritten. Beide Gefährte hatten jedenfalls vier Räder. Als erstes wirklich erfolgreiches elektrisch angetriebenes, vierrädriges Auto gilt eine weiterentwickelte Variante des Elektrofahrzeuges vom Amerikaner William Morrison um 1893.
 


Um die daraufhin folgende Jahrhundertwende war der Elektroantrieb für Fahrzeuge mit dem damals auch erst sehr jung entwickelten Verbrennungsmotoren in Sachen Marktpräsenz fast gleich auf, technisch gesehen sogar überlegen. Man sah – gar nicht unähnlich wie heute – Vorteile im städtischen Bereich, während Verbrenner-Fahrzeuge im weiteren Umland Stärken ausspielen konnten.
 

Das Blatt wendete sich jedoch im Laufe des ersten Jahrzehnts zu Gunsten des Benzinmotors. Auch wenn ein höherer technischer Aufwand notwendig war (Verbau von Getriebe und mehr mechanischen Teilen), bedeuteten das kostengünstige Benzin, die höhere Reichweite, aber auch die technische Sicherheit und die Entwicklung des Starters (ersetzte das mühsame Kurbeln zum Starten) ein rasches Durchsetzen des Verbrennungsmotors und somit ein relativ abruptes Ende des Elektroantriebs bei Automobilen.
 

Schweift man aus der Vergangenheit zurück in die Zukunft, so ist es angesichts dieser sehr frühzeitigen Entwicklungen von Elektrofahrzeugen schon erstaunlich, dass es – abgesehen von Randerscheinungen – fast ein Jahrhundert gedauert hat, bis diese Antriebsform wieder breiteren Einzug in der Automobilität gefunden hat. Mitverantwortlich für die aktuelle Entwicklung ist mitunter die Etablierung der Hybrid-Technologie in den letzten 20 Jahren und, wie eingangs erwähnt, Tesla mit seiner sehr kapitalintensiven Offensive in die Elektromobilität.
 


Zuletzt sei es mir noch erlaubt, persönlich zu reflektieren. Oft wird das Thema Elektroantrieb im Automobil sehr kontrovers diskutiert. Ich stehe dem mittlerweile relativ neutral gegenüber. Anfängliche Skepsis hat sich bei mir persönlich reduziert, aber noch nicht vollkommen zerstreut. Es braucht ein gewisses Umdenken und einen gewissen Gewöhnungseffekt. Am Ende wird sich jener Antrieb durchsetzen, der die meisten Vorteile für Kunden, Hersteller und somit auch für Umwelt und Wirtschaft bringt. Zieht man Parallelen zu Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, so ist die Durchsetzung des Elektroantriebs nicht garantiert. Bezieht man vor allem aber die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren (z. B. Stichwort Feststoff-Batterie für deutlich höhere Reichweiten) mit ein, so stehen im Vergleich heute die Erfolgschancen in Zukunft sicher wesentlich höher.
 

Auf jeden Fall hoffe ich, dass es bei allen Vor- und Nachteilen ein Nebeneinander der Antriebsarten geben kann. Nennt mich altmodisch und rückständig, aber falls wir alle in der Zukunft mit elektrifizierten Fahrzeugen (egal ob mit Batterien oder Wasserstofftanks) bewegt werden, hoffe ich doch immer noch – bei allem Fahrspaß, den ein linear beschleunigendes E-Fahrzeug zweifelsfrei auch bringen kann – gelegentlich den Klang eines Benziners mit Boxer- oder mit V-Motor zu erleben ... und das nicht durch künstliches Sounddesign in einem E-Auto.

Tipp:

Egal ob Porsche oder Einsteiger-Fahrzeug. Und egal, ob du ein Elektroauto, Hybridfahrzeug oder Fahrzeug mit Verbrennungsmotor fährst:

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